Architektur aktuell

03/2005

Architektur aktuell

03/2005

Johannes Will

"City Lounge", Wohngestaltung in Wien-Landstraße

Fließend präzise

Reduziert man Wohnen auf seine notwendigen Funktionen, so schafft man Platz für die Wirkung des Raums durch sich selbst, für die Entfaltung von Licht und Schatten. Das Ideal der Leere, Konzentration auf einfache, prägnante Elemente und fließende Raumübergänge kennzeichnen die 150 m² große Altbauwohnung, die durch Mauerdurchbrüche ein neues Raumgefüge erhielt. Gerade in der Reduktion der Elemente, in der betonten Zurücknahme des Gestalterischen, entfalten die gesetzten Eingriffe ihre Kraft. Hervorstechendste Maßnahme war die Fragmentierung der Hauptmauer. So entstanden zwischen dem Bad-Küchen-Bereich und der Wohnzone türlose Durchgänge. Die Hauptachse der Wohnung wird betont und der Großflächigkeit der verwendeten Materialien ein skulpturaler, dreidimensionaler Kontrapunkt entgegengesetzt.

Schräge Formen

Die schräge, eingeschnittene Form der fragmentierten Wand, deren eine Öffnung verglast wurde, wird in den Regalen wieder aufgenommen. Der große Raum wird durch ein Regal als transparenter Raumteiler in Wohn- und Arbeitsbereich strukturiert. Bei Abendbeleuchtung verschwinden die gläsernen Teile des Regals, der schwebende Charakter kommt zum Vorschein. Zwischen dem transparenten Bad, das ganz ohne Fliesen auskommt. Harzplatten aus dem Schiffbau wurden hier verwendet, und dem Küchenblock bildet ein großer Abstand eine kommunikative Zone. Nicht nur die Räume entfalten hier ihre Kommunikation miteinander, ganz wörtlich kann sich hier menschliche Kommunikation zwischen Gästen entwickeln.

Alle Küchengeräte, Waschmaschine, Geschirrspüler und ähnliches ist hinter Schiebeelementen verborgen. Der fließende, ungestörte Raumeindruck wird durch die durchgehende Vermeidung von Fugen oder Türen und Klinken unterstrichen. Die privaten Bereiche, Schlafen, Garderobe fürs Umziehen, sind vom Wohnbereich abgeschottet. Man erreicht sie vom Vorzimmer durch ein raumhohes Eichenschiebeelement. Ein blickdichter Vorhang, wie er in der Bühnentechnik verwendet wird, schützt den Schlafraum gegen Licht und Einblicke. Alle verwendeten Materialien, Glas, Glasfolie, Nussparkett für den Boden, Eiche für Verkleidungen respektive Schiebeelemente kommen in unverfälschter Erscheinung zum Einsatz. Die Präzision des Entwurfs resultiert aus einem präzisen Raumstudium vor Ort, das vor allem auch die verschiedenen Lichtsituationen zu unterschiedlichen Tageszeiten in die Konzeption einbezog. Reduktion auf das Wesentliche bedeutet den Raum, Licht, Schatten, Material in ihrer Eigensprachlichkeit zu Wort kommen zu lassen und so distinkte, vor allem großzügige Raumqualitäten zu schaffen.